
Als die Polizisten die Türen des weißen Sprinters öffnen, schlägt ihnen
Gestank entgegen. Die Welpen jaulen erbärmlich und springen an den Gittern
hoch. Freitagmorgen wurden sie ersten Erkenntnissen zufolge im rumänischen
Bukarest in einen zum Hundetransporter umgebauten Sprinter gesetzt,
in doppelstöckige Holzverschläge. Nach mehr als 26 Stunden Fahrt in vollständiger
Dunkelheit und ohne jede Belüftung wurde der Transport von der
Feuchter Verkehrspolizei auf der A9 gestoppt. „Die Welpen sind durch den
Wind“, sagt Elke Spengler-Wieber, Amtstierärztin im Nürnberger Land,
die von der Polizei gerufen wurde.
Kein Wasser, kein Licht, keine Belüftung, keine Möglichkeit zu urinieren:
Auf die beiden Fahrer des illegalen Hundetransports — sie hatten keine
Transportgenehmigung — kommt ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das
Tierschutzgesetz zu. Gegen eine Sicherheitsleistung lässt die Polizei die
Männer gehen. Sie gaben unumwunden zu, dass sie gut an den Transporten
verdienten.
Nur ein paar Stunden später entdeckt die Polizei an der Rastanlage
Feucht-West an der A9 einen Lkw mit 14 Hunden. Eine Organisation, die eigenen
Angaben zufolge Tieren in Not hilft, hat Hunde aus Ungarn eingeführt. Wieder
stoßen die Beamten auf Unstimmigkeiten. „Die Dokumente haben nicht
gepasst“, sagt Ralf Rössel von der Fahndungsgruppe. Es ist unklar, ob die
Tiere überhaupt geimpft sind. Zehn Tiere werden unter Quarantäne gestellt.
Der illegale Hundehandel floriert. Vor allem aus Osteuropa werden massenweise
Welpen importiert und in Deutschland verkauft. Die Geschäfte mit der
Ware Hund haben Ausmaße angenommen, die die Polizei von mafiaähnlichen
Strukturen und organisierter Kriminalität sprechen lässt. „Da bleibt
richtig
Geld hängen“, fährt Rössel fort. Der Markt ist da. Die Hunde werden im
Internet angeboten, oft mit einer Mitleid erregenden Schicksalsgeschichte.
Gutgläubige Tierfreunde greifen zu in der Annahme, den Vierbeinern etwas
Gutes zu tun. Die meisten würden sich gar nicht klar machen, unter welchen
Bedingungen die Tiere hierher transportiert würden, sagt Veterinärin
Spengler-Wieber. So manche Organisation, die im Namen des Tierschutzes
auftritt,
spielt dabei eine fragwürdige Rolle. Manchmal beschleicht die Ermittler das
Gefühl, dass es der einen oder anderen Gruppe weniger ums Retten von
Tieren geht, sondern lediglich um den Profit, der sich aus kleinen Welpen
schlagen lässt.
Einige der rumänischen Mischlingshunde, deren Transport die Polizei
gestoppt hat, werden von einer Organisation in Franken für je 280 Euro im
Internet
angeboten. Eine Frau, die für diese Organisation arbeitet, holt die etwa drei
Monate alten Tiere bei der Polizei in Feucht ab und verfrachtet sie vom
Sprinter in Hundeboxen. „Wir arbeiten mit den Rumänen zusammen“, sagt
sie. Die schlechten Transportbedingungen lassen sie offenbar kalt. Darauf
angesprochen antwortet sie, dass sie das noch nie so erlebt habe, um dann das
Gespräch abzubrechen.
Ein Mann, der ebenfalls auf die Tiere aus Rumänien gewartet hat und nun im
Hof der Polizei steht, versteht die Aufregung nicht. „Da unten verrecken
sie. So haben sie fast 30 Stunden Fahrt hinter sich, dafür sitzen sie dann in
Deutschland auf dem Sofa vor dem Fernseher.“ Sätze, bei denen
Amtstierärztin Spengler-Wieber genervt die Augen verdreht. Schließlich
werden die Welpen unter katastrophalen Bedingungen eigens für den Verkauf
gezüchtet. Hündinnen würden in Rumänien auf der Straße eingefangen und zu
Gebärmaschinen umfunktioniert.
Echter Tierschutz wäre, die Tiere kastrieren zu lassen, entgegnet die
Veterinärin. Jede Woche fahre ein Transporter in Bukarest los, sagten die
rumänischen Fahrer bei der Polizei aus. Veterinärin und Polizei bekommen nur
einen Bruchteil des illegalen Hundehandels mit. Kaum haben sie einen
Transporter aus dem Verkehr gezogen, fährt irgendwo schon ein anderer los.