Hundeshows

und ihre Richter

18. August 2002

Liebe Leser,
hier folgt ein Artikel zu einem Thema, das mir schon lange am Herzen liegt, ein heißes Eisen sozusagen und mit Sicherheit diskussionswürdig. Nun, heute traue ich mich endlich heran, nach ca. 11 langen Jahren Ausstellungswesen.

Die ersten Erfahrungen diesbezüglich habe ich in Dänemark gesammelt, ohne nur daran zu denken, dass mich so etwas jemals begeistern könnte. Es fing alles ganz harmlos an und wurde wenig später zu einer Art Sport. Mein damaliger Rüde hat 27 Ausstellungen in einem Zeitraum von 5 ½ Jahren absolviert, und ich weiß von Hunden, die das Doppelte bewältigt haben. Verrückt, ich weiß!  

 
Anmerkung vorab:
Niemand möchte Ihnen mit diesem Bericht das Ausstellungswesen vermiesen, im Gegenteil, es wäre begrüßenswert wieder höhere Meldezahlen zu erreichen und damit unseren Verein zu unterstützen.
 
 
Es macht einfach Spaß, nette Leute zu treffen, schöne Hunde zu sehen und das ganze Drum und Dran, aber, ähnlich wie beim Eiskunstlauf geht es auf der ein oder anderen Hundeausstellung ab, nämlich ungerecht, inkompetent und/oder sogar politisch.

Hinzu kommt noch die Tatsache, dass ich Richter kenne, die sich fast in die Hosen machen, weil sie sich einer Hundeschnauze wegen Gebisskontrolle nähern müssen. Oder, selbige schleichen sich von hinten an den Rüden, schnappen nach den Hoden zu Testzwecken und wundern sich, wenn das Tier zurückschnappt. Stempel: Der Hund ist aggressiv. Solche Provokationen von Seiten des Menschen hat schon das ein oder andere Mal zur ungerechtfertigten Disqualifikation geführt. In solchen Fällen sollten die Richter abdanken, Berührungsängste sind hier fehl am Platz.

Alsdann gibt es die waghalsige, hundeunerfahrene Spezies, die durch plötzliches Zugreifen von oben auf den Kopf der Tiere so manche Kriegserklärung heraufbe­schworen hat. Richtig gefährlich wird es, wenn die Besitzer ihre Hunde in solchen Situationen nicht im Griff haben, auch das habe ich leider erlebt.  

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment, als mein Rüde sein Bein vor dem Richterstuhl erhob, zugegeben, auch nicht die feine englische Art, aber was soll’s, der Stuhl war nicht besetzt. Dieser Richter war übrigens super gut, er hatte Klasse. Warum? Ist doch logisch, meiner hatte gewonnen! Und wenn das eigene Hundi gewinnt, ist der Richter immer ein guter Richter - oder? Und damit spreche ich jetzt Sie, liebe Aussteller, an.

Sie waren vor Wochen auf einer Ausstellung, Ihr Hund erhielt Vorzüglich 1, das CAC und das CACIB. Ein Glücksgefühl durchströmt Sie, Sie sind zu Recht stolz und mel­den ihn siegessicher kurz darauf erneut. Was passiert? PENG, er fliegt als erster raus. Kopfschüttelnd mit Schaum auf der Backe verlassen Sie den Ring, möchten dem Zuchtkadi am liebsten ins Gesicht brüllen, wie blöd er ist, und fangen draußen das Schimpfen an. Oder aber Sie gehen schulterzuckend von dannen und tun so, als wäre es Ihnen vollkommen egal, was da gerade passiert ist. Sie flunkern! Ich weiß das.

Ich behaupte, dass jeder, der einen solchen Wettbewerb besucht, es unter dem Aspekt einer angemessenen Platzierung tut. Ist doch klar, sonst ginge kein Mensch hin, noch nicht mal die Hunde.  

Gestatten Sie mir an dieser Stelle zwei Paradebeispiele:

Zugegeben, es ist heute noch ein erhebendes Gefühl, wenn ich darüber erzählen darf. Unser „Dicker“ 23 x V1, satte Titel und diverse Auszeichnungen, hat mich irgendwie zum Größenwahn getrieben. War ich entzückt, wenn mich andere Rüdenbesitzer vor dem 1. Meldeschluss anriefen und fragten: „Hast Du Deinen gemeldet?“ „Ja, hab ich.“ Enttäuschung am anderen Ende der Leitung: „Schade, dann hat sich das für uns erledigt.“

Doch zwei „betrübliche“ Erlebnisse, welche mich auf den Boden der Tatsachen zurückholten, ereilten auch mich.  

1. Niederlande 1995: Meldezahl: Nur 3 Hunde in 3 verschiedenen Klassen. So ein Glück hatte ich niemals zuvor, ich wusste, ich verlasse das Land mit einem niederländischen Champion. Locker trat ich vor die Richterin. Einmal gucken, zweimal laufen, fertig. Kein CAC, kein CACIB. Und das meinem Champion! Ich tat das, was ich an einigen Ausstellern bislang verurteilt hatte, ich wurde auf der Stelle wütend und verließ empört die Ausstellungshallen.
Als die Vernunft etliche Stunden danach wiederkehrte, sah ich mir meinen „Dicken“ genauer an und stellte fest, diese Frau hatte mit ihrem Standpunkt, „heute nicht in Bestform“ Recht, jedoch Unrecht was den Rest der Beurteilung betraf. Eine Fifty-Fifty-Alternative, die zu Ungunsten meines Hundes ausgefallen war, und die generell im Ermessen des Richters liegt, hätte bereits vor Ort respektiert werden müssen.  

2. Weltausstellung Brüssel 1995, Finale: Herzrasen, Puls 120, der Mund trocken, die Knie weich, mein Gott, so nah am Titel und dann die kalte Dusche. Der Konkurrent hatte gewonnen. Korrekte Entscheidung, ein wenig Zweifel!  

Liebe Aussteller, was ich damit sagen möchte ist, üben Sie sich in Objektivität, es muss kein kläglicher Fachmann am Werk gewesen sein, der Ihrem Hund die erhoffte Formwertnote nicht verleiht. Und erwähnen möchte ich, dass die große Mehrzahl wirklich gute Arbeit leistet, mit dem nötigen Respekt, freundlich an die Hunde heran­geht und Sachkunde beweist. Diese Leute wissen, worauf es ankommt, sie bewerten in erster Linie die Anatomie, die Gesundheit, schätzen gute Gangwerke und wissen, dass die Kuvasz nicht auf Locken oder Pigmenten laufen. Obgleich die Richtlinien nicht außer Acht gelassen werden, werden hier vernünftige Prioritäten gesetzt.  

Doch nun wieder zurück zur dunklen Seite dieser Innung:
Was passiert da eigentlich auf der Bewertungsskala. Eine Achterbahnfahrt? Früher war ein V-Hund ein V-Hund, ein SG-Hund ein SG-Hund und blieb es auch. Heute hingegen sind diesbezüglich große Schwankungen zu verzeichnen. Womit hat das zu tun? Verwandeln sich unsere Hunde von Show zu Show, oder fehlt einigen Routiniers schlicht und ergreifend der Blick fürs Wesentliche?

So oft bin ich nach „Hundemessen“ angerufen worden, weil die Leute die Welt nicht mehr verstanden haben (ich offen gesagt auch nicht). Hier einige Musterbeispiele:  

„Jetzt war ich schon dreimal bei dem/derselben, habe drei komplett unterschiedliche Meinungen, als wäre ich mit drei verschiedenen Hunden da gewesen.

Verwunderlich! Solche „Meister“ haben durchaus Ihre Hilfestellung verdient. Tackern Sie beim nächsten Mal Zettel an die Hundeohren mit den Beurteilungen vorangegangener Hundeshows.

 Meiner ist nur Vierter und hat einen viel besseren Richterbericht als der auf dem 1. Platz", oder: "Meiner hat Vorzüglich und hat den gleichen Richterbericht wie die „SG-ler.“

Drollig, ja, ich denke, da war zum einen das Erinnerungsvermögen gestört und zum anderen ist dies der Beweis für Einfältigkeit in Wort und Schrift.  

      „Meiner ist unübersehbar übersehen worden“.

Ja ja, auch das gibt es. Da war der Hund zwar gut, aber leider im falschen Verein oder besaß die „falsche“ Nationalität.  

    „Diesem Richterbericht zur Folge ist mein Hund ein Krüppel!“

Ach liebe Richter, (vorausgesetzt einigen von Ihnen fällt dieser Artikel in die Hände) ich weiß, dass Sie die Spreu vom Weizen trennen müssen, aber tun Sie es bitte einfühlsam, auch das macht einen guten Richter aus. Kitzeln Sie das Schöne am Hund heraus und Herrchen freut sich und kommt wieder.

(Auszug aus einem Richterbericht unserer Hündin Aszia): „Mäkelmäkelmäkel, doch auf Grund des hervorragenden Pigmentes und des enormen Charmes dieser Hündin, die sich heute leider nicht zeigt, noch sehr gut“. Toll!  

Da steht, mein Hund ist zu fett.“

Stimmt, aber die Beschreibung „überkonditioniert“ hätte es auch getan.  

„Meiner hat immer gegen den anderen gewonnen und heute wegen der Rutenhaltung verloren, obwohl der andere dieselbe Rutenhaltung hat“.

Tja, bei gleich guten Hunden wird es schwierig, es müssen Fehlerchen gesucht werden. Der Trick geht so: Die Rutenhaltung des Günstlings bewertet man im Stand bzw. in Ruhe, die andere wird dann im Trab beobachtet. Alles klar?  

Eine Erfahrung möchte ich Ihnen auf keinen Fall vorenthalten. Diese geschah vor Jahren am helllichten Tag auf einer ganz großen Veranstaltung.

Die offene Klasse Rüden, so etwa 16 Kuvasz, (damals lagen die Meldezahlen wesent­lich höher als heute) marschierten auf, und der zum Schluss auf dem Treppchen stand, hatte das Treppchen nicht verdient. Der Richter setzte nicht den besten Hund dieser Klasse auf Platz 1, um sich die Entscheidung des Stechens (offene Klasse gegen Championklasse) leicht zu machen und dies auch dem Publikum zu demonstrieren. Dem Rüden aus der Championklasse verlieh er selbstverständlich den Titel. Es war der Hund seines Freundes. Soweit mir bekannt ist, hat dieser „Experte“ seit Jahren nicht mehr in Deutschland gerichtet.  

Solche wie ähnliche Machenschaften sind unverschämt für Hund, Halter und Zuschauer und es ist nachvollziehbar, dass ambitionierte Züchter oder Deckrüdenbe­sitzer der Sache auf den Grund gehen wollen. Jetzt ist taktvolles Vorgehen angesagt und Sätze wie:  

„Wie bitte, ein SG weil er nicht in Kondition ist?
Ich glaube, Ihr Hirn ist nicht in Kondition!“  

sollte man sich, auch mit einem Weltklassehund an der Leine, verkneifen. Dennoch, die Gedanken sind frei. Aber ein SG ist ja noch erträglich. Zitat eines Richters über einen Kollegen:

„Einen in der Championklasse gemeldeten Hund mit einem Gut aus dem Ring zu schicken, ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen Richter, die diesen Hund zum Champion gemacht haben.“ Dem kann ich nur beipflichten.  

VDH-Zuchtschauordnung

§ 12,.1 (Pflichten des Ausstellers):

Die Aussteller erkennen an, dass Formwertnoten und Platzierungen des Zuchtrichters unanfechtbar sind. Sie unterliegen keiner Überprüfung. Beleidigungen des Zuchtrichters oder öffentliche Kritik seiner Bewertungen und Platzierungen sind unzulässig.

Da haben wir’s! Und weiter geht’s:  

$ 31 Ordnungsbestimmungen b:

Mit unbefristetem Verbot der Teilnahme auf allen von VDH-Mitgliedsvereinen oder vom VDH durchgeführten Zuchtschauen kann belegt werden, wer insbesondere (u.a.) einen Zuchtrichter beleidigt oder dessen Bewertung öffentlich, mündlich oder schriftlich kritisiert.  

Kommentar

Bezüglich der Kritik, sind die Aussteller ihres im Grundgesetz verankerten Rechtes auf freie Meinungsäußerung seitens des VDH beraubt.
Also Liebe Leser, fragen Sie mich bloß nicht nach Namen, sonst kriege ich Ärger.

§ 58 Allgemeines:

Die Vergabe von Titeln und Titel-Anwartschaften liegt im Ermessen des Zuchtrichters.  

O.K.! Wieso wird so manches Mal an einen Hund die höchste Formwertnote (Vorzüglich 1) vergeben und er erhält den Titel und die Titel-Anwartschaft nicht? Was ist das für ein Ermessen und wie ist das zu begründen? Vielleicht weil er ein vorzüglicher Hund ist, aber nicht vorzüglich genug?  -  Quatsch!  

Ich erwarte von jedem Zuchtrichter eine geradlinige, faire und objektive Wertung für meine Hunde, dafür habe ich Geld bezahlt. Und angenommen, dass auf der nächsten Show ein inkompetenter Richter fungiert, wäre meine Konsequenz die, die Hunde nicht zu melden. So einfach ist das und liegt in meinem Ermessen!  

Copyright© Brigitte Pick 2002