Zugegeben,
jeder, der einen Hund einer bestimmten Rasse besitzt, ist natürlich in diese
vernarrt und preist sie an. Also, wäre ich Mopsbesitzer, würde ich Möpse
lieben, und das ist gut so. Aber ich liebe nun mal den Kuvasz, und das ist
besser.
Vor
knapp 3 ½ Jahren kam eine
erneute Herausforderung ins Haus, ein damals fast zweijähriger Kuvaszrüde
aus dritter Hand, der sich nach kurzer Eingewöhnung bei uns in seine pubertäre
Phase zurückentwickelte. „Ein erwachsener Welpe“ sozusagen und alles ging
von vorne los. Nein, so schlimm war es nun doch nicht. Er war und ist mit
Abstand einfacher zu händeln, als die Hündin. Eine neue Erfahrung für mich
dem „Kuvaszkenner“, da ich doch der festen Meinung war, Rüden seien
schwieriger, zudem auch oftmals behauptet wird: „Fange nie mit einem Rüden
an, Dein erster Kuvasz sollte eine Hündin sein“.
Nun,
darüber möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter äußern, da ich eine
andere Erfahrung gemacht habe. Eine Erfahrung, die sich unterscheidet zwischen
Sanftmut und Frechheit, Gehorsam und Starrsinn, Naivität und Gerissenheit,
standardmäßig typvoll und weniger typvoll und für mich trotzdem die Schönste.
Bevor
ich ein Beispiel der Gerissenheit schildere, möchte ich nun doch noch auf
„den typvollen Kuvasz“ eingehen. Sicherlich kann jeder Kuvaszbesitzer
stolz sein, wenn er ein besonders schönes „Exemplar“ dieser Rasse
besitzt. Und ist man an der Kuvaszzucht interessiert und möchte sogar mitmischen,
dann ist die Notwenigkeit der Ausstellungsbesuche nun mal gegeben. Das soll
aber nicht heißen, das man seinen erfolggekrönten Hund nun immer und immer
wieder von einer Schau zur anderen schleppt, was absolut schnell angehen kann,
da es letztendlich für den Menschen ein Triumph ist, wenn der eigene Hund
siegt. Klartext gesprochen: Jeder, der seinen Hund zum Gefecht der CACIB's
meldet, hofft auf eine gute bis spitzenmäßige Platzierung. Tritt diese nicht
ein, macht sich, je nach Mentalität, gar keine, eine leichte oder schwere
Frustration breit. Hier überhaupt keinen Missmut aufzuweisen, ist allemal das
Klügste.
Der
weniger typvolle Kuvasz ist gekennzeichnet durch Abweichungen von der Norm,
die der Rasse- und Zuchtverband vorschreibt. Diese Auflage ist für mich zwar
von Bedeutung, dennoch nicht übergewichtig. Der Maßstab Charakter und
Gesundheit ist ausschlaggebend, die Optik sollte zweitrangig sein. In der Tat,
kein Kuvasz läuft auf seinen Locken!
Beispiel
der Gerissenheit:
Während
alle dahinschlemmern stürmt meine Hündin plötzlich mit krakeelerisch
boshaftem Gebelle zur Haustür.
Was
war passiert? Auch wir machen uns auf den Weg und gucken und gucken und
gucken. Unterbrochen wurde diese Observierung durch scheppernde Geräusche aus
dem Küchenbereich. War das Zufall? Nein, wenig später lief sie Richtung
Terrassentür und ein erneutes mal Richtung Büro. Sie hatte gelernt, wir
nicht (Der Rüde hat auch gelernt!)
Einige
wenige Erziehungsfehler wurden mir im nachhinein sehr deutlich, es wurde nicht
alles hundertprozentig eingehalten, wozu mir damals geraten wurde, auch habe
ich nicht nach Buch, sondern mit Gespür und viel Verständnis erzogen und
alles kann ich nicht falsch gemacht haben, denn ich lebe mit einem Kuvaszpärchen
unter einem Dach, das zwar gegensätzlich erscheint, sich aber dennoch ergänzt
im Ausdruck der Freude, der Anlehnungsbedürftigkeit, der Verbundenheit und
Zuneigung zum Menschen. Ich würde es mir nicht anders wünschen.
Auch
nicht beim nächsten Mal.
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