- Ich
war den Tränen nahe als ich ihn sah, diesen steinalten Mann, beladen mit
gewaltigem Gepäck, Schweißperlen rannen von seiner Stirn, sein Rücken war
gekrümmt.
- Ich
sprach ihn an, mitleidsvoll, und ein Leuchten trat in seine Augen. Wir
setzten uns gemeinsam auf die grüne, vom Kreisamt gestiftete, marode
Parkbank, wo ich ihn sein Elend klagen ließ.
- Er
befände sich, so erzählte er, in einem erbärmlichen Zustand. Sein
Schrebergarten musste für ein Asylantenheim weichen, seine Tauben waren
vergiftet worden und nun auch noch das. „Was?“, fragte ich.
- „Nun“,
meinte er, „ich habe mich beim Ordnungsamt um die Stelle der Parkaufsicht
beworben und bin jetzt am Ende.“ „Warum?“, erkundigte ich mich.
- „Tja“,
sagte er, „am 30.Juni 2000 habe ich beim Ministerium den Antrag auf
Genehmigung eines Esels für meine Traglast gestellt. Diesem Antrag wurde
nicht entsprochen, da alles verfügbare Getier bereits planstellenmäßig
auf die Ämter verteilt war.“
- Ich
wurde neugierig und fragte ihn weiter, was er denn wohl in seinen vielen
„Säckeln“ mit sich schleppe. Daraufhin packte er aus.
- Gespannt
und zugleich bestürzt sah ich, was dieser alte Mann alles bei sich trug.
- Eine
kompakte batteriebetriebene Waage mit Digitalanzeige. Ein 40 cm langes, hölzernes
Höhenmessgerät. Zwei stattliche Reisekoffer bestückt mit Fach-, Gesetzes-
und Verordnungsbüchern.
- Einen
entzückten Blick warf ich, rein zufällig, auf eine bunte Bildergalerie.
Offensichtlich ein Hundefreund, dachte ich, und weiter ging’s.
- Zum
Vorschein kamen diverse Schreibutensilien, ein Lesegerät,
Pfefferspray-Ampullen, Elektroschocker, ein Funkgerät, eine sauber
abgedruckte Rasseliste, Proviant, sowie ein robust gepolsterter, bräunlich-lederner
Kampfanzug für alle Fälle.
- „Oh
je“, sagte ich, „Sie armer alter Mann, was macht das bloß für einen
Sinn und wozu brauchen Sie das alles?“
- "Ach,
wissen Sie“, erwiderte er, „vor über 60 Jahren ist mir vergleichbares
Zubehör aufgebürdet worden und die Fragen „Macht das Sinn“ und
„Wozu?“ habe ich niemals gestellt“.